Claudiusmatze
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Heinrich Böll - Die verlohrene Ehre der Katharina Blum (Plädoyer)
Plädoyer für Katharina Blum - (geschrieben aus der Sicht des Anwalts Blorna)

Sehr geehrtes Gericht,

die Angeklagte Katharina Blum sieht sich mit dem Vorwurf des Mordes konfrontiert.

Die Beweisaufnahme hat allerdings gezeigt, dass Katharina Blum nicht mit Vorsatz tötete, sondern viel mehr zur Tat durch äußere Umstände und andere Personen getrieben, ja genötigt wurde.

Katharina Blum wurde zufällig mit dem gesuchten Rechtsbrecher Götten bekannt. Sie geriet dabei in das Visier von Boulevardpresse und Polizeiermittlungen. Anfangs wusste die Angeklagte jedoch nicht einmal, dass Götten ein Krimineller ist. Sie konnte in der Folge dem ganzen Druck nicht mehr standhalten. Sie war in die Enge getrieben und sah keinen anderen Ausweg, als den Reporter Tötges, der maßgeblich an den Rufmord ihrer Person schuld war, zu befreien.

Ursachen für die Affekthandlung der Katharina Blum sind u.a. Tötges geschriebene verleumderischen Zeitungsartikel, durch die K. Blums Ruf nachhaltig geschädigt wurde.

In seinen Berichten weicht Tötges bewusst von der Wirklichkeit ab. Er verleumdet Katharina Blum und bezeichnet sie als "Räuberliebchen&" und "Mörderbraut". Die Leser der Zeitung mussten so einen falschen Eindruck von der Angeklagten bekommen.

Ich habe, von der Presse befragt, folgendes gesagt:
"Ich weiß wer alles eines Verbrechens fähig ist. Katharina Blum ist gewiss keine Verbrecherin, jedoch eine kluge und kühle Person."
Tötges machte daraus: Katharina Blum ist eiskalt, berechnend und durch aus eines Verbrechens fähig. Ich führe das als Beispiel an, um zu zeigen, wie sehr Katharina Blum durch Herrn Tötges bedrängt wurde.
Weiterhin wurde bei der Vernehmung von Frau Woltersheim bekannt, dass Katharina Blum's Mutter einmal erwischt worden sei wie sie in der Sakristei gemeinsam mit dem Küster eine Flasche Wein getrunken habe. Daraus machte die Zeitung die Story "Sie hat Messwein gestohlen und in der Sakristei mit ihren Liebhabern Orgien gefeiert."

Auch behauptete die Zeitung, dass Katharina Blum eine Kommunistin unter dem Einfluss ihres kommunistischen Vaters ist. Richtig ist: Katharina Blums Vater ist gestorben als sie sechs Jahre alt war und somit konnte sie in dieser Hinsicht nicht unter dem Einfluss ihres Vaters geraten.

Katharina Blum sah sich so vielfältigen Verleumdungen ausgesetzt. Sie hatte ihre Ehre verloren. Urheber war Herr Tötges.

Was spricht für die Anklagte?
Katharina Blum hat sich in ihrem ganzem Leben nichts zu schulden kommen lassen. Nach ihrer gescheiterten Ehe, hat sie durch Fleiß und Arbeit eine neue Existenz aufgebaut. Als sie dann Ludwig Götten kennen lernte, war sie glücklicher denn je. Durch die Festnahme Göttens und die folgenden Berichte der Zeitung die verbale Gewalt an Katharina Blum ausübten, wurde ihre Existenz zerstört.
Das trieb Katharina Blum nach dem Tod ihrer Mutter zur folgend schweren Tat.

Katharina Blum handelte in Erregung und im Affekt, weshalb sie nur minderschwere Schuld trifft. Katharina Blum handelte nicht vorsätzlich.

Ich plädiere deshalb auf Totschlag. Das umfassende Geständnis der Angeklagten muss sich hierbei zusätzlich strafmildernd auf das Urteil auswirken.

© 2004 Claudius Ortbandt (shel)