Bildinterpretation: Porträt dOlga dans un fauteil
Das Gemälde Porträt dOlga dans un fauteuil wurde von Pablo Picasso im Jahr 1917 gemalt.
Das Ölgemälde ist 130 x 88,8 cm groß und befindet sich heute im Besitz des Pariser Musee Picasso. Picasso malte das Bild nach einer Fotographie seiner Frau. Das Bild ist der klassizistischen Periode Picassos zuzuordnen.
Das Bild seiner Frau ist als Kniestück vertikal in die Achse des rechten Bilddrittels gesetzt. Sie hält mit dem gesenkten, leicht auf dem angewinkelten Oberschenkel ruhenden Arm einen aufgeklappten Fächer. Mit dem ausgestreckten, sanft gebogenen rechten Arm lehnt sie sich über die Oberkante eines Sessels und blickt mit weit geöffneten, Augen träumend in die Ferne. Aber scheinbar hat ihr Blick kein festes Ziel, er geht am Betrachter vorbei.
Ihr matt dunkelbraunes Kleid steht im Kontrast zu dem stark aufgehellten Körpers, dessen Ton auch die Grundierung der Leinwand bildet.
Der Sessel zeigt ein sehr großflächiges Muster aus grünen und rosa Blumen, Früchten und Blättern. Dieses Blumendekor ist die ein sehr auffälliger Bereich des Bildes, wird aber durch die Ornamente von Kleidersaum und Fächer in seiner Wirkung etwas gemildert.
So lenken diese unruhigen Partien nicht von der Hauptsache des Gemäldes ab, dem eigentlichen Porträt, sondern unterstützen dessen Ausdruck. Dazu trägt auch bei, dass Picasso die Textilien nicht im Detail, sondern schwer und kompakt malte, das Gesicht hingegen verhältnismäßig fein und detailliert darstellt.
Damit ist das Ziel der Darstellung erreicht, die Bildfläche aber noch lange nicht gefüllt. Das Bild wirkt durch die begonnenen Ausmalung des Hintergrundes in einem graugrünen Farbton unvollendet. Gleichzeitig ähnelt diese Umrahmung einem Schattenwurf und unterstützt den hellen Farbton von Dekollete und Arm der Frau.
Aber gerade dessen unvollendeter Zustand bietet eine befriedigenden Anblick, weil die glatte Leinwand die konkurrierenden Motive der Frauendarstellung und der Wiedergabe des bunten und aufdringlichen Sesselmuster neutralisiert.
W
omöglich wäre das Bild bei weiterer Ausgestaltung in einer Übermenge von Formen versunken, dabei wäre womöglich das eigentliche Wichtige - das Portrait nicht zur Geltung gekommen.
© 2004 Claudius Ortbandt