
Allgemein:
Die Romantik ist die Epoche der deutschen Literatur von 1798 bis
um 1830. Im wesentlichen Sinne ist Romantik eine über die
romantische Dichtung hinausgreifende Bewegung, die alle Gebiete
des geistigen Lebens erfasste und das 19. Jahrhundert hindurch
bestimmte. Die großen organischen Einheiten wie Nation, Religion
und Geschichte traten in das Bewusstsein. Ihnen wurde das
Individuum eingeordnet. Die Romantik. legte den Grund zur
Geschichtswissenschaft mit einer schöpferisch-begeisterten Schau
der Vergangenheit. Die Brüder Schlegel begründeten die
Literaturwissenschaft, die Brüder Grimm die Germanistik, F. C.
von Savigny die Rechtsgeschichte.
Literatur:
Vorbereitet neben den Ausläufern der Aufklärung, mit
vorromantischen Erscheinungen wie theosophisch-okkultischen1
Strömungen (z.B. in Frankreich), zeigt sie Elemente des
Pietismus2, Mystizismus, der Trivialliteratur3 und einen neuen
Geniebegriff (z.B. in England). Ausgehend von J. G. Fichtes Lehre
vom Ich, von der freien schöpferischen
Persönlichkeit und vom allseitigen Menschen, von Goethes
Faust und Wilhelm Meisters Lehrjahren und
vom Erlebnis der Französischen Revolution, kam am Ende des 18.
Jahrhunderts ein neues Lebens- und Kunstverständnis auf, das dem
Rationalismus der Spätaufklärung Gefühl und Innerlichkeit, der
strengen Form der Weimarer Klassik die freie Einseitigkeit des
Geistes entgegensetzte. Die Romantik lebte aus der Sehnsucht nach
der Vereinigung mit dem Unendlichen, die Grenzen zwischen Traum,
Fantasie und Wirklichkeit wurden aufgehoben (Symbol: die
blaue Blume). Die Romantik war die letzte Stufe des
deutschen Idealismus; das Reale wurde als eine Funktion des
Geistigen interpretiert. Die künstlerische Form für diese Idee
war das Gesamtkunstwerk, das alle Gattungen und
Gehalte in sich vereinen sollte. Ähnlich wie in der
Sturm-und-Drang-Zeit trat das geniale Individuum in den
Vordergrund. Seine Freiheit äußerte sich in der romantischen
Ironie.
Der Sturm und Drang, J. G. Hamann mit betont religiöser Haltung,
J. G. von Herder mit der Hervorhebung der
Volkspoesie, der positiven Bewertung des Mittelalters
und einem neuen Geschichtsverständnis gingen der Romantik.
voraus. Die erste Stufe war die Früh-Romantik, auch Jenaer
Romantik genannt (17971804). Sie begann in Berlin mit W. H.
Wackenroders Herzensergießungen eines kunstliebenden
Klosterbruders und erreichte ihren Höhepunkt in Jena. Die
Leistung dieses Kreises, dem A. W. und F. von Schlegel, L. Tieck,
W. H. Wackenroder und Novalis angehörten, war in erster Linie
die theoretische Grundlegung der romantischen Dichtung (A. W. von
Schlegel, Schöne Literatur und Kunst
18011804). Die wichtigsten literaturkritischen Arbeiten
erschienen in der Zeitschrift Athenäum. Im Gegensatz
zur Klassik formte die R. ein mehr dynamisch-dionysisches Bild
der griechischen Antike. F. von Schlegel erhob die Forderung nach
einer progressiven Universalpoesie. In den Dichtungen
der Früh-Romantik kam ein stimmungsvolles Neuerlebnis der
Landschaft und des Mittelalters zum Durchbruch. In der
Auseinandersetzung mit Goethes Wilhelm Meister
entstanden mehrere Entwicklungsromane. Dichterisch trat vor allem
Novalis hervor: Hymnen an die Nacht, Die
Lehrlinge zu Sais, Heinrich von Ofterdingen.
Das Zentrum der Hoch-Romantik (18041815, auch jüngere
Romantik und mittlere Romantik genannt) war der Kreis der
Heidelberger Romantik, daneben bildeten sich Schwerpunkte in
Dresden und Berlin. Sie brachte vor allem eine Besinnung auf
Volkstum (J. von Görres, Deutsche Volksbücher) und
Geschichte. C. Brentano und A. von Arnim gaben die
Volksliedsammlung Des Knaben Wunderhorn heraus. J.
und W. Grimm sammelten die Kinder- und Hausmärchen.
Der volkstümlichen Frömmigkeit und den ungetrübten
Landschaftsbildern J. von Eichendorffs stehen die fantastischen
Erzählungen E. T. A. Hoffmanns gegenüber.
Zentren der Spät-Romantik (18151830) waren Wien
(katholische Spät-Romantik), Berlin, Nürnberg und Schwaben. Zu
nennen sind F. de la Motte-Fouqué, A. von Chamisso und Z.
Werner. In der Schwäbischen R. (bis 1850), zu der L. Uhland, G.
Schwab, J. Kerner, W. Müller und W. Hauff gehörten, erwachte
noch einmal die Liebe zum Mittelalter und zum Volkstum. Dem Wesen
der Romantik. entsprachen am meisten die Gattung der Lyrik und
der mit lyrischen Einlagen aufgelockerten Erzählung. Das Drama
wurde wenig gepflegt und blieb meist Lesedrama. Bedeutsam war die
Shakespeare-Übersetzung von A. W. von Schlegel und L. Tieck
(17971801).
Die Romantik hatte gleichzeitige Entsprechungen in ganz Europa.
In den osteuropäischen Ländern rief das erwachte
Nationalbewusstsein das Entstehen der einzelnen
Nationalliteraturen hervor Bedeutsam für Russland (A. S.
Puschkin, M. J. Lermontow) wurde die deutsche und englische
Romantik. Italien orientierte sich an Deutschland und Frankreich.
Ausdruck fanden das Streben nach politischer Unabhängigkeit und
das Werthergefühl (U. Foscolo, A. Manzoni, G.
Leopardi). Beeinflusst von der Romanzendichtung stellte sich die
Wiederentdeckung der kulturellen Vergangenheit in Spanien vor
allem im historischen Roman dar. F. Schlegel und die englische
und französische Romantik, vermittelt durch spanische liberale
Emigranten, wurden zum Vorbild für J. de Espronceda y Delgado,
A. García Gutiérrez und F. Martínez de la Rosa. Auf der
Grundlage von J.-J. Rousseaus individueller Seelenkultur wurde in
Frankreich F. R. Chateaubriand dichterisches Vorbild mit Wirkung
auf die französischen Lyrik und Lord Byron. In der Zeit
pathetischen Auseinandersetzung mit nachrevolutionären
Lebensformen erschloss Madame de Staël die deutsche Romantik
für das klassizistische Frankreich (De l'Allemagne).
Neben A. de Vigny, dem an Lord Byron orientierten A. de Musset,
A. de Lamartine, G. Sand, dem auf den Symbolismus weisenden C.
Nodier und anderen war V. Hugo die hervorragendste Gestalt: Er
führte die historische Erzählung zur Vollendung und schuf mit
dem Vorwort zu Cromwell 1827 das romantische
Manifest.
Humanitär und sozialkritisch war die Haltung der Romantik in
England. Vom Sturm und Drang ausgehend, folgte sie der
natürlichen Inspiration des Genies. Theoretiker war W. Godwin;
W. Blake und der volkstümliche R. Burns schlugen eine Brücke
von der Aufklärung her. T. Carlyle brachte Goethe und die
deutsche Romantik der englischen Romantik nahe. W. Hazlitts Zeit-
und Literaturkritik verdeutlicht romantische Lebensform. Die
spezifisch englische Romantik verkörpern u.a. W. Wordsworth, S.
T. Coleridge, Sir W. Scott, P. B. Shelley, Lord Byron sowie J.
Keats.
Bildende Kunst: In der bildenden Kunst des beginnenden 19.
Jahrhunderts haben die Ideen der Romantik einen vielgestaltigen
Niederschlag gefunden. Trotzdem kann man nicht eigentlich von
einem romantischen Stil sprechen, da die romantische Kunst keine
unverwechselbaren Formmerkmale ausgebildet hat, vielmehr durch
die Hinwendung zur nationalen Vergangenheit dem Historismus
Vorschub leistete.
Die deutsche Malerei der Romantik fasst die Natur als Spiegel
subjektiven Erlebens auf und bevorzugt als erhabenes Motiv die
Landschaft. Die im Gegensatz zu den zeitlosen klassischen
heroischen Landschaften jahreszeitlich gebundenen
Bilder von C. D. Friedrich und C. G. Carus sind Metaphern der
Geschichtlichkeit des menschlischen Geistes. In den Werken P. O.
Runges wird das Licht der Tageszeiten zum Ausdrucksmittel der
Beseelung der Natur durch die Kunst. Die romantischen
Landschaftsbilder sind nicht mehr aus Requisiten komponiert, sie
weisen durch ihre Ausschnitthaftigkeit auf das Unbegrenzte des
Universums hin, der Betrachter wird in die dargestellte Stimmung
einbezogen. Meditation und Einsamkeit als Zentralthemen der
romantischen Malerei finden sich auch in den oft leer
wirkenden Innenraumbildern von G. F. Kersting. Der malerische
Stil reicht in dieser Zeit von fließenden Übergängen
(Friedrich) über zeichnerischen harte Konturierung (Runge) bis
zu einer impressionistischen Effekte vorwegnehmenden
Skizzenhaftigkeit (K. Blechen). Weit gehend frei von den bei
Friedrich, Carus und Runge zu bemerkenden allegorisierenden
Tendenzen sind die atmosphärischen Landschaften des zum
Friedrichkreis gehörenden Norwegers J. C. C. Dahl und des
Heidelbergers K. Rottmann.
Die Nazarener stellten mit ihren Historienbildern die kirchlichen
Tradition in Gegensatz zum Subjektivismus der norddeutschen.
Landschaftsmalerei. In Wien, Dresden, München und Frankfurt
bildeten sich in Anlehnung an den figurenreichen Monumentalstil
der Nazarener romantischen Malschulen. Schon früh zeigte sich
gefördert durch die Illustration der romantischen
Märchensammlungen eine Neigung zur Flucht in die Idylle.
Das Altdeutsche wird zum Symbol des Künstlertraums
von einer guten alten Zeit. Die beschaulichen Holzschnitte L.
Richters, die Märchenbilder M. von Schwinds, die weiten
Landschaften W. von Kobells zeugen zwar von poetischer
Empfindungskraft und Naturgefühl, sie führen aber bereits in
die kleinbürgerliche Welt der Biedermeierzeit, deren Kunst nicht
Vision des Unsichtbaren sein wollte, sondern sich mit liebevoller
Schilderung des Gegenständlichen begnügte und damit den
Grundstein für den Realismus des späten 19. Jahrhundert legte.
Malerei:
Die in der romantische Malerei vollzogene Abkehr von klassischen
Harmoniegesetzen tritt auch in der Architektur in Erscheinung.
Während die bedeutenden klassizistischen Bauwerke entstanden,
begann bereits von England ausgehend eine
Wiederaufnahme gotischer Formen; die Neugotik bestimmte
kirchliche und profane5 Bauten.
Außerhalb Deutschlands finden sich romantische Wesenszüge vor
allem in England, von dem die Bewegung ausging. J. Constable und
W. Turner malten das atmosphärische Erscheinungsbild der Natur,
Constable mehr sachlich, während sich Turner zu kosmischen
Phantasmagorien steigerte. Beide gelten als Vorläufer der
Impressionisten. In W. Blake, der an die Tradition der englischen
Buchmalerei des Mittelalters anknüpfte, kulminierte die
romantische Verbindung von restaurativen Tendenzen,
literarisch-gedanklicher Ausrichtung und religiöser Mystik. So
wurde er zu einem Vorläufer der Präraffaeliten6, die ihrerseits
wiederum von den Nazarenern ausgingen. In den romanischen
Ländern blieben die klassizistischen Strömungen vorherrschend.
E. Delacroix, der Hauptvertreter der romantischen Malerei in
Frankreich, nahm in seinen historischen und exotischen Motiven
mit skizzenhafter Pinselhandschrift den unvermischten Farbauftrag
der Impressionisten vorweg, die sich aber
entwicklungsgeschichtlich nicht an ihn, sondern an die intime
Landschaftskunst der Schule von Barbizon (C. Corot, C. Daubigny,
T. Rousseau) anschlossen.
Musik:
In der Musik ist
eine genaue stilgeschichtliche Abgrenzung der Romantik nicht
möglich. Im allgemeinen Sprachgebrauch nennt man romantisch die
Musik zwischen 1820 und 1910. Wegen der Problematik eines
zusammenfassenden Stilbegriffes und der immer schon schwierigen
Abgrenzung zur vorangegangenen Klassik ist die Musikwissenschaft
inzwischen zu der neutralen Bezeichnung 19. Jahrhundert gekommen
und fasst Romantik allenfalls im Sinn der literarischen
Bewegungen als einen Teil der Musikgeschichte dieses Zeitraumes
auf. Die Vorstellungen, die die Stellung und Ästhetik einer
romantischen Musik prägten, aber eben durch das ganze 19.
Jahrhundert hindurch für die Musikauffassung tragend waren,
wurden als romantisches Kunstprogramm von W. H. Wackenroder, L.
Tieck und vor allem E. T. A. Hoffmann formuliert. Das extreme
subjektirische Ausdrucksbedürfnis, das hier gefordert wurde, die
Entgrenzung des Subjekts, märchenhafte Weltsicht, naturbezogene
Idyllik, die Forderung nach Originalität und Neuheit der Werke
gekoppelt mit historisierenden Tendenzen können als allgemeine
Verständnisgrundlage sowohl einer spezifisch romantischen Musik
als auch der des ganzen 19. Jahrhunderts gesehen werden. Musik
galt als die romantischste Kunst und als höchster Ausdruck
ästhetischer Ideen.
Bestimmend sind im Einzelnen besonders die Vorliebe zu kleinen
Formen auf der einen Seite, pathetische Theatralik mit ihrer
Ausuferung der Mittel auf der anderen Seite. Die häufig
durchkomponierten Liedvertonungen von F. Schubert, R. Schumann,
J. Brahms und H. Wolff, ein wesentl. und spezifisch dt. Beitrag
der romant. Musik im allg. Sinn, weisen der Gattung neue Wege.
Neu ist auch das lyrische Stück für Klavier (E. Grieg, R.
Schumann) und das Lied ohne Worte (F. Mendelssohn-Bartholdy).
Schon in diesen kleinen Formen fällt die Erweiterung des
Ausdrucksbereichs auf (etwa durch Ausspinnen der Melodik,
tonmalerische Elemente, Bevorzugung entfernter Tonarten, Gebrauch
von Alterationen7 mit chromatischen und enharmonischen
Modulation), die Großformen erfahren einen gewaltigen Zuwachs
der Dimension, der in der Sinfonik von J. Brahms, A. Bruckner, A.
Dvorák, P. I. Tschaikowski und G. Mahler gipfelt. Die erste
romant. vom Komponisten ausdrücklich als solche
bezeichnete Oper ist Der Freischütz von C. M.
von Weber (1821). Ein Höhepunkt ist die Erneuerung der Idee des
Gesamtkunstwerkes durch R. Wagner, ebenso die französische
Große Oper und G. Verdis Schaffen. Der Ausweitung des
Ausdrucksbereichs dienen auch die Einführung neuer Instrumente
(z.B. der Ophikleide bei H. Berlioz) und die Ausschöpfung der
Möglichkeiten einzelner Instrumente bes. durch das neu
entstandene Virtuosentum (Geige durch N. Paganini, Klavier durch
F. Chopin und F. Liszt). Spezifisch für das 19. Jh. ist ferner
die literarisierende Form der Programmusik, die 1830 mit der
Symphonie phantastique von H. Berlioz beginnt und in
der Form der sinfonischen Dichtung vor allem von Liszt und R.
Strauss gepflegt wurde.
Die historisierende Richtung der literarischen Romantik führte
auf musikalisches Gebiet zur Wiederentdeckung des Werks von J. S.
Bach (durch Mendelssohn-Bartholdy) und zu einer Wiederbelebung
der Polyphonie (Caecilianismus, M. Reger). Die Besinnung auf das
nationale Erbe rief in vielen Ländern die sogenannte
National-Romantik ins Leben (in osteuropäischen Ländern,
Skandinavien: E. Grieg, N. W. Gade, England: E. Elgar,
Frankreich: C. Gounod, G. Meyerbeer, C. Franck, C. Saint-Saëns).
Kennzeichnend ist schließlich die allmählich Trennung einer
eigenständigen Unterhaltungsmusik (Salonmusik, Modetänze,
Operette) von der immer schwierigeren Kunstmusik sowie die
Ausbreitung des Laienmusizierens z.B. in der Hausmusik und im
Chorwesen.
Das Ende der Romantik in der Musik ist ebenso problematisch wie
der Begriff selber. Zum Teil spricht man, in der Terminologie der
Zeit, schon ab 1890 von einer Moderne. Gewöhnlich
wird das Ende der Periode mit dem Beginn der Atonalität8 um 1910
gleichgesetzt, wobei viele ihrer Tendenzen weit in die Musik des
20. Jahrhunderts hineinreichen (als sogenannte
Spät-Romantik).
Ballett: Aus der barocken Tanzsuite entstehen in der klassischen
Zeit eigene Ballettmusiken, die sich im 19. Jahrhundert großer
Beliebtheit erfreuen. Die Musik ist eine Kombination
verschiedener Tänze wie Walzer oder Polka und speziellen
Tanzfiguren wie Pas de deux.
Eine intensive Pflege dieser Kunstgattung findet besonders in
Russland statt. Ballettmusiken wie Giselle" von
Adolphe Adam, Coppelia" von Leo Delibes oder
Dornröschen", Der Nussknacker" und
Schwanensee" von Tschaikowskij zählen noch heute zum
klassischen Repertoire jedes Ballett-Ensembles.
Chorgesang: Das 19. Jahrhundert ist auch die Geburt und
gleichzeitig erste Blüte des Chorgesangs. Bereits 1791 gründete
Carl Fasch die Berliner Sängerakademie, 1809 entsteht mit der
Berliner Liedertafel der erste Männerchor. Das künstlerische
Niveau ist sehr hoch und inspiriert zahlreiche Komponisten wie
Franz Schubert, Felix Mendelssohn, Johannes Brahms oder Friedrich
Silcher zu Liedern für diese neue Gattung.
Klaviermusik: Das klassische Instrument der Romantik ist das
Klavier, das durch technische Weiterentwicklung größere und
schwierigere Ausdrucksmöglichkeiten bietet. Es entsteht das
Charakterstück als Übergang von der absoluten Musik der Klassik
zur Programmmusik.
Ein Meister dieses Stils ist Robert Schumann, dessen
Kinderszenen" und Album für die Jugend"
auch heute noch zur Literatur jedes Klavierschülers zählen.
Ein genialer Komponist von Klaviermusik mit einer ganz eigenen
Tonsprache und gleichzeitig ein virtuoser Solist ist Frédéric
Chopin. Seine Werke zeigen eine vielfarbige Harmonik und das
Bemühen, stets einen klaren Klang vor überschäumender
Expressivität dominieren zu lassen.
Musikdrama: Eine ganz neue musikalische Gattung schafft Richard
Wagners Musikdrama als eine Art Gesamtkunstwerk. Ausgehend vom
antiken Drama entwickelt er sein Konzept eines solches Werkes mit
dem Ring des Nibelungen".
Ab 1871 beschäftigt er sich auch mit dem Bau eines eigenen
Theaters zur Aufführung seiner Werke. So entsteht zwischen 1872
und 1876 das Bayreuther Festspielhaus, in dem bis heute
alljährlich Aufführungen von Wagner-Opern stattfinden.
Nationalstile: Das 19. Jahrhundert ist auch das Zeitalter der
Nationalstile. In vielen Ländern entwickeln sich in Verbindung
mit der nationalen Sprache der Volksmusik eigene Stile. In
England pflegt Edward Elgar einen spätromantischen Stil. Der
Tscheche Bedrich Smetana schreibt ein umfangreiches Werk
sinfonischer Dichtungen und Opern wie Die Verkaufte
Braut", während Antonin Dvorák sich mit seinen slawischen
Tänzen und der Symphonie aus der Neuen Welt"
unsterblich macht. In Russland komponieren Alexander Borodin,
Nikolaj Rimskij-Korsakow und Peter I. Tschaikowskij Sinfonien mit
melancholisch-schwermütigem und gleichzeitig temperamentvoller
russischer Ausstrahlung. In Skandinavien schreibt Edvard Grieg
seine Schauspielmusiken zu Peer Gynt" und Jean
Sibelius komponiert neben 7 Sinfonien unvergängliche Sinfonische
Dichtungen wie Finlandia" oder En saga"
Opernmusik: Eine unglaubliche Aktivität entfaltet sich in der
Romantik auf dem Gebiet der Oper. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts
entwickelt sich die musikalische Richtung des Verismo auf dem
Boden des Naturalismus.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erlebt die italienische Oper vor
allem mit Giuseppe Verdi eine neue Blütezeit.
Neben den Opern von Pietro Mascagnis zählen vor allem die Opern
Giacomo Puccinis zu den bedeutendsten dieser Gattung. Puccinis
Tonsprache ist von großer melodischer Schönheit, reicher
Harmonik, farbiger Instrumentierung und intensivem Ausdruck
geprägt.
Eine Parallele zum italienischen Verismo schafft George Bizet
1875 mit seiner Oper Carmen" in spanischem Kolorit.
In Deutschland entsteht Anfang des 19. Jahrhunderts die
Sonderform der Romantischen Oper mit Inhalten aus Märchen und
Sagen oder romantisierten historischen Stoffen. Aus dem Singspiel
entwickeln sich komische Oper und Operette mit einer Mischung aus
Komik und Gefühl als Unterhaltung für das Bürgertum. Die
Bandbreite reicht von Albert Lortzings Zar und
Zimmermann" über Otto Nicolais Lustige Weiber von
Windsor" bis zur den Operetten Johann Strauß und
Franz Lehárs.
Romantische Oper: Zu den Romantischen Opern zählen Der
Freischütz" von Carl Maria von Weber, Engelbert
Humperdincks Märchenoper Hänsel und Gretel" oder
auch Der fliegende Holländer" von Richard Wagner.
Programmmusik: Als Begründer der modernen Programmmusik gilt der
Franzose Hector Louis Berlioz. Er komponierte 1830 die
Symphonie fantastique", die in einer Art musikalischem
Tagebuch ein unglückliches Liebeserlebnis des Komponisten
schildert.
Nach 1848 entwickelt Franz Liszt die Gattung der Sinfonischen
Dichtung. Insgesamt entstehen 13 dieser Werke, als erstes und
bekanntestes: Les Preludes". Das Werk wird 1854
uraufgeführt und gelangt später während des Dritten Reiches zu
einer eher traurigen Berühmtheit als Titelmelodie der
Wochenschauen.
Sinfonie: In der Tradition des klassischen Ideals entstehen die
ersten sechs Sinfonien Franz Schuberts. Seine 7. und 8. sowie die
als Unvollendete" bezeichnete 9. sind bereits
klangliche Zeugnisse der Frühromantik.
Johannes Brahms orientiert sich noch am Vorbild Beethovens,
während Felix Mendelssohn-Bartholdy, unter anderem mit seiner
Schottischen" oder Italienischen" Sinfonie
mehr dem romantischen Klangideal huldigt.
Ganz neue Dimensionen, vor allem in der Dauer der Werke eröffnen
sich mit dem sinfonischen Werk Anton Bruckners und Gustav
Mahlers. Bruckners Sinfonien stehen formell noch auf dem Boden
der klassischen Sonatensatzform sowie in der Tradition der
katholischen Kirchenmusik. Mahlers Sinfonien dagegen sind Werke
mit romantischen Klängen, farbiger Instrumentation und
programmatischen Inhalten.
© 2003 Matthias Kroll (spida)